
Renteninformation verstehen: Was die Zahlen wirklich bedeuten (2026)
Einmal im Jahr kommt die Renteninformation der DRV — und viele verstehen sie nicht. Dabei stecken in dem Schreiben wichtige Informationen über Ihre zukünftige Rente. Dieser Ratgeber erklärt alle Felder und Zahlen verständlich.
Renteninformation verstehen: Was die Zahlen wirklich bedeuten (2026)
Einmal jährlich schickt die Deutsche Rentenversicherung an alle Versicherten zwischen 27 und 54 Jahren die sogenannte Renteninformation. Das Schreiben enthält Hochrechnungen zur zukünftigen Rente — aber viele Empfänger wissen nicht, wie sie die Zahlen einordnen sollen. Sind das Garantiewerte? Worst-Case-Szenarien? Und was bedeuten „Entgeltpunkte" eigentlich? Dieser Ratgeber erklärt das Schreiben Zeile für Zeile.
Inhaltsverzeichnis
- Aufbau der Renteninformation
- Entgeltpunkte: Was sie sind und wie sie entstehen
- Die drei Hochrechnungen: Was sie bedeuten
- Erwerbsminderungsrente in der Renteninformation
- Wann die Zahlen falsch sein können
- Häufige Fragen
Aufbau der Renteninformation
Die Renteninformation besteht aus mehreren Teilen: einer Übersicht über die bisher erworbenen Rentenanwartschaften, Hochrechnungen zur voraussichtlichen Altersrente und Angaben zur Erwerbsminderungs- und Hinterbliebenenrente. Am Ende stehen Hinweise zu freiwilligen Beiträgen und weiteren Vorsorgemöglichkeiten.
Was das Schreiben nicht ist: Eine verbindliche Rentenauskunft. Die enthaltenen Zahlen sind Hochrechnungen auf Basis des aktuellen Versicherungsverlaufs und gelten nur, wenn alle Annahmen eintreten. Eine verbindliche Rentenauskunft (ab 55 Jahren) enthält dagegen garantierte Mindestrentenansprüche.
Entgeltpunkte: Was sie sind und wie sie entstehen
Entgeltpunkte (früher: Rentenpunkte) sind die Grundlage jeder Rentenberechnung. Pro Arbeitsjahr erwerben Sie so viele Entgeltpunkte, wie Ihr Einkommen dem Durchschnittseinkommen aller Versicherten entspricht. Wer 2026 genau den Durchschnitt von 51.944 Euro brutto verdient, erhält einen Entgeltpunkt für dieses Jahr. Wer mehr verdient, mehr — wer weniger verdient, weniger.
Der aktuelle Rentenwert ab Juli 2026 beträgt 42,52 Euro pro Entgeltpunkt und Monat. Ein Versicherter mit 30 Entgeltpunkten hätte damit eine monatliche Bruttorente von 30 × 42,52 = 1.275,60 Euro.
In der Renteninformation finden Sie den Stand Ihrer bisher erworbenen Entgeltpunkte unter „Bisher erreichte Rentenanwartschaft" — angegeben als monatlicher Betrag bei heutigem Rentenwert.
Die drei Hochrechnungen: Was sie bedeuten
Die Renteninformation enthält drei Hochrechnungen zur voraussichtlichen Altersrente:
1. Bei gleichbleibendem Rentenwert: Zeigt, wie hoch die Rente wäre, wenn der Rentenwert bis zum Renteneintritt konstant bliebe. Das ist eine konservative Schätzung — in der Praxis steigt der Rentenwert jedes Jahr.
2. Bei einem Rentenwert, der um 1 % pro Jahr steigt: Eine moderate Wachstumsannahme auf Basis historischer Durchschnitte.
3. Bei einem Rentenwert, der um 2 % pro Jahr steigt: Eine optimistische Hochrechnung.
Alle drei Szenarien setzen voraus, dass Sie bis zum regulären Renteneintrittsalter weiterarbeiten und dabei das gleiche Einkommen wie in den letzten fünf Jahren erzielen. Wechseln Sie den Job, werden Sie krank oder reduzieren die Arbeitszeit, fallen die tatsächlichen Rentenansprüche ab.
Hinweis für Sie: Die Hochrechnungen zeigen Bruttobeträge vor Steuern und Sozialversicherungsbeiträgen. Von der angezeigten Zahl gehen noch Krankenversicherung (ca. 8 %), Pflegeversicherung (ca. 4 %) und je nach Rentenhöhe Einkommensteuer ab. Die tatsächliche Nettorente liegt in der Regel 15 bis 25 % unter dem ausgewiesenen Betrag.
Erwerbsminderungsrente in der Renteninformation
Auf der zweiten Seite der Renteninformation steht die voraussichtliche Erwerbsminderungsrente — aufgeteilt in volle und teilweise EMR. Diese Angabe ist wichtig, zeigt aber nur eine Hochrechnung auf Basis des aktuellen Versicherungsverlaufs.
Besonders relevant: Der ausgewiesene EMR-Betrag berücksichtigt die Zurechnungszeit — die fiktiven Beitragszeiten, die die DRV bei Eintritt der Erwerbsminderung bis zum 66. Lebensjahr und 3 Monate hinzurechnet. Das erklärt, warum die EMR oft höher ausfällt als die aktuelle Rentenanwartschaft.
Wann die Zahlen falsch sein können
Die Renteninformation ist nur so gut wie der Versicherungsverlauf, auf dem sie basiert. Fehlende Zeiten — Ausbildung, Kindererziehung, Pflege, Auslandsbeschäftigung — führen zu niedrigeren Hochrechnungen, als tatsächlich möglich wäre. Wer Lücken vermutet, sollte eine Kontenklärung beantragen.
Außerdem: Die DRV kann gesetzlich keine individuellen Hochrechnungen für die Erwerbsminderungsrente ausweisen — das Schreiben enthält nur Standardwerte. Wer seine tatsächliche EMR-Höhe kennen möchte, muss eine individuelle Rentenauskunft beantragen.
Häufige Fragen
Ab welchem Alter bekomme ich die Renteninformation?
Ab dem 27. Lebensjahr, sofern Sie mindestens fünf Jahre Beitragszeiten haben. Ab dem 55. Lebensjahr erhalten Sie statt der Renteninformation eine verbindliche Rentenauskunft.
Kann ich die Renteninformation auch digital abrufen?
Ja. Über das Online-Portal „Meine DRV" können Versicherte ihren aktuellen Versicherungsverlauf und eine aktuelle Hochrechnung jederzeit abrufen — nicht nur einmal jährlich.
Was tue ich, wenn die Zahlen in der Renteninformation viel niedriger sind als erwartet?
Zuerst den vollständigen Versicherungsverlauf anfordern und auf Lücken prüfen. Dann eine Kontenklärung beantragen. Wenn die Lücken geschlossen sind, steigen auch die Rentenanwartschaften entsprechend.
Hinweis: Die Inhalte dieses Beitrags dienen ausschließlich der allgemeinen Information und stellen keine verbindliche Rechtsberatung dar. Jeder Fall ist individuell verschieden — gesetzliche Regelungen und Rechtsprechung können sich ändern. Für eine Einschätzung Ihrer persönlichen Situation stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung.
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Kevin Pink, LL.B.
Registrierter Rentenberater · § 10 RDG · Gelsenkirchen
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